Schreckensherrschaft, Teil 4
Das Gesicht von Elysa war fahl. Ihre Atmung war noch immer flach und ihre Augen hatten sich seit dem Angriff nicht geöffnet. Sie lebte, aber keine Magie konnte sie von diesem kalten Schlaf aufwecken. Aun Hareltah hatte alles versucht, um die Königin aufzuwecken, vergebens - aber noch lebte sie, leise und kalt. Antius strich eine störrische Locke ihres honigfarbenen Haares von ihrer Braue und küsste sie leicht auf ihre Stirn.
"Komm zurück zu mir, meine Liebe". Er berührte leicht mit seiner Hand ihre Wange und lächelte.
Eine Woche war seit dem Angriff vergangen. Nachts blieben Antius und Borelean an ihrer Seite und sie erzählten Elysa von den Tagesereignissen. Es machte nichts aus, dass Elysa sie nicht hörte, beide wollten sie Elysa sehen, und sie schworen, dass sie hin und wieder eine Regung auf ihrem Gesicht sahen. Der Junge zeigte bemerkenswerte Ruhe und Kontrolle in der Zurückhaltung seiner Sorgen. Antius sah dies als Segen und als Fluch zugleich. Der Junge hatte nur einmal versucht, Asheron zu finden. Es misslang, da der Portalzauber zu Asherons Sanctum fehlschlug, als wäre das Sanctum nicht mehr länger da.
Alles war kahl. Die Festival-Jahreszeit war nach Dereth gekommen, aber es gab wenig zu feiern. Die Olthoi waren vom Großteil der Landschaft vertrieben worden, aber der Boden bebte immer noch und die alte Olthoi-Queen war noch immer irgendwo dort draussen.
Während des Tages streiften Antius und Lord Kresovus durch die Landschaft und suchten Spuren mit Balor. Der Geruch des Angreifers war nach dem zweiten Tag des Suchens verschwunden, aber Balor war so störrisch wie sein Meister. Er beharrte öfters darauf, dass er die Spur wieder gefunden hatte, nur um sie kurz darauf wieder zu verlieren. Nuhmudira arbeitete mit ihren mystischen Mitteln daran, den Meuchelmörder zu finden, während Celdiseth, Fadsahil und Ciandra versuchten, ein Heilmittel zu finden. Derzeit war Antius gezwungen zu glauben, dass Nuhmudira wirklich nicht für den Angriff verantwortlich war, da eine Art von Magie verwendet worden war, die keiner von ihnen verstand. Aber es lief ihm jedes Mal kalt über den Rücken, wenn sie in der Nähe war.
"Ich liebe dich!", sagte er, während er Elysas Hand in die seine nahm. Er schaute zum Kamin und beobachtete die Funken, die knallend durch die kleinen Wassereinschlüsse im Holz entstanden. Er sah Leben in der roten Glut, und er ließ das Feuer nicht ausgehen.
"Wo bist du, Asheron?", fragte er in den Raum hinein.
Antius Träumerei wurde unerwartet durch ein schnelles Stapfen von Lederstiefeln unterbrochen. Der Ton von metallbeschlagenen Stiefeln folgte. Die Tür sprang auf, als er sich in Richtung der Halle drehte. Seine linke Hand hielt noch Elysas Hand, aber seine rechte griff zum Schwert und entspannte sich, als er sah, dass die Eindringlinge Hendac und Jenavere waren. Er ließ die Hand Elysas los, legte sie zurück an ihre Seite und ging den beiden entgegen. Zwei königliche Wachen standen hinter dem Paar.
"Tut uns leid, Lord Antius. Sie haben uns überrumpelt", entschuldigte sich einer der Wächter.
"Sie sind Freunde, und sind hier willkommen", antwortete Antius. Er entließ die Wächter und holte Hendac und Jenavere in den Raum. Hendac ging zum Bett Elysas und fiel auf ein Knie, während Jenavere ein zusammengerolltes Blatt Papier auf den Tisch nahe der Balustrade legte.
"Wenn sie dich das tun sehen würde, Hendac, würde sie mit dir schimpfen und dir wahrscheinlich einen Tritt geben". Antius zeigte ein schwaches Lächeln, und der stumme Mann lächelte zurück, während er wieder aufstand.
"Antius, wir haben keine Zeit für ein Gespräch. Wir haben sie gefunden". Jenavere zeigte auf die Rolle, eine grob gezeichnete Landkarte, welche die Ränder der Lost Wish Mountains zeigte. "Wir verfolgten eine kleine Gruppe von Gotrok Lugians durch die Berge. Wir wurden gezwungen, unseren Tempo zu verlangsamen, um uns dem ihren anzupassen, oder wir hätten riskiert, gesehen zu werden. Nach einem Tag ohne Bewegung folgten Hendac und ich dieser Kante hier". Sie zeigte auf einen Bereich der Berge, den Antius kaum kannte. "Entlang dieser Kante sahen wir eine auffällige Zunahme der Tätigkeit der Rebellen, aber wir fanden noch etwas". Antius blickte Hendac flüchtig an, der glücklich auf seine Nase zeigte.
"Hendac roch es zuerst - ein Hive, ein grosser Hive. Wir suchten nach dem Eingang und fanden nur eine Acid-Wolke, die nördlich der Berge aus der Erde aufstieg. Wir konnten keinen Weg hinein finden, aber das ist der Platz, wo sie lagert. Ich weiss es!". Sie deutete mit ihrem Finger auf einen Punkt auf der Karte.
"Wie tief?", fragte Antius. Hendac saß in einem Sessel neben Elysas Bett.
"Schwer zu sagen", antwortete Jenavere und sah Antius ins Gesicht. "Seit wann hast du nicht mehr geschlafen?".
"Zu lange nicht mehr. Wie viele Olthoi?", erwiderte Antius.
"Tausende, da bin ich mir sicher. Und sie brütet...schnell", sagte Jenavere schmerzvoll.
Antius nickte und rief nach einer Wache. Die Tür öffnete sich und ein Wächter trat in den Raum. "Versammeln Sie das Council. Wir haben die Position des Lagers der Olthoi-Queen.". Der Wächter nickte und verließ den Raum.
"Das Council, Antius?", protestierte Jenavere. "Die diskutieren das endlos, bevor irgendwas unternommen wird und dann wird es zu spät sein."
"Nein, Jenavere. Das Council ist jetzt ganz anders."
"Anders? Die einzigen, die jemals ihr Geld wert waren, waren Elysa und Celdiseth. Die anderen kannst du vergessen. Gelehrte und Narren! Nuhmidira war eine der Gelehrten Zaikhals, die es ablehnten, uns mit der Munition zu versorgen, die notwendig wäre, um die restlichen Hives der Olthoi zu zerstören. Wir wissen, wie das ausging. Ich bin sicher, dass du von der Kolonie der Menschen unter den Katakomben gehört hast, wo Elysa die erste Olthoi-Queen besiegt hat. Ihnen sollten wir nicht vertrauen", setzte Jenavere fort.
"Ich vertraue ihnen nicht, Jenavere, aber sie sind alles, was wir haben...Nuhmudira eingeschlossen. Nuhmudira ist unbestreitbar die mächtigste von uns. Es kann gut sein, dass sie unsere letzte Hoffnung ist. Ich wünschte, ich könnte euch vermitteln, wie sehr es mich schmerzt, das zu sagen". Antius gab sich geschlagen, als er zum Tisch zurückkam. "Wir können das nicht alleine machen. Wir benötigen jede Hilfe, die wir bekommen können und wenn das bedeutet, dass wir die benötigen, denen wir nicht vertrauen können, um die Sicherheit dieser Welt und unserer Lebensart sicherzustellen, so sei es. Ich gehe nicht zurück in eine Sklavengrube.".
"Das werde ich auch nicht!". Nuhmidira öffnete die Tür, begleitet von einer Wache. "Die anderen kommen gleich. Was hast du Neues für uns, Antius?".
Jenavere sah zu Hendac. Er kniete nieder und küsste Elysas Hand. Jenavere ging einen Schritt auf Antius zu und flüsterte: "Wir sind in der Nähe, Antius...aber wir kämpfen nicht mit ihr." Sie lächelte und umarmte den Mann kurz. Hendac näherte sich Antius und klopfte ihm auf den Rücken. Dann gingen die beiden an Nuhmudira vorbei in den Gang.
Nuhmidira wartete, bis die beiden in der Dunkelheit verschwunden waren und fragte dann: "Um was ging es?"
"Sie haben die Olthoi-Queen gefunden!"
Translated by Lawrence of Morningthaw






